Schülerinnen und Schüler wachsen über sich hinaus – “Hexenjagd“ nach Arthur Miller

Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen bereitete sich die 12. Klasse der Freien Waldorfschule Marburg auf ihr Theaterwochenende vor. Nach monatelanger Vorbereitung und drei Wochen Intensivproben, nach Kostümgestaltung, Bühnenbau und PR-Arbeit war das Wochenende der öffentlichen Aufführungen vom 19. bis 21. Juni 2026 für die Schülerinnen und Schüler gekommen: Die Bühne war bereitet für die „Hexenjagd“!

Mit „Hexenjagd“ hatten sich die Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse kein leichtes Stück Theater ausgesucht. Arthur Miller veröffentlichte seine „Hexenjagd“ 1953 vor dem Hintergrund der McCarthy-Ära. Basierend auf historischen Hexenprozessen von Salem aus 1692, hielt Miller der 50er-Jahre-Gesellschaft in den USA den Spiegel vor: Massenhysterie, Vorurteile und öffentliche Verurteilungen ohne Beweise waren seinerzeit an der Tagesordnung. Die Angst vor dem Kommunismus hatte die Menschen fest im Griff.

Dieses Stück, welches durchaus auf mehrere Stunden ausgedehnt werden kann, hat die erfahrene Schauspielerin und Regisseurin Franziska Knetsch auf straffe 75 Minuten gekürzt. 75 Minuten die es in sich haben – für die jungen Schauspielenden, wie auch das gespannte Publikum. Ein Chor aus mehreren Schülerinnen und Schülern diente als theatrales Stilelement, welches die Handlung durch passend gewählte Zitate Hannah Arendts pointiert kommentierte. Mit ihrem Spiel demonstrierten die Schülerinnen und Schüler eindrucksvoll die ungebrochene Aktualität der von Miller in „Hexenjagd“ verarbeiteten gesellschaftlichen Verhaltensphänomene.

Doch bei aller Aktualität des Stückes, bei aller Berühmtheit des Autors und abseits aller Gelehrtheit gesprochener Zitate Arendts, stellte das Spiel der Schülerinnen und Schüler an allen drei Abenden all das weit in den Schatten. Die Präsenz jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers, die Intensität, mit der die jungen Menschen ihre Rollen eingenommen und verkörpert haben und das gemeinsame Wirken auf der Bühne – das war eine großartige Leistung aller 30 Schülerinnen und Schüler dieses Jahrgangs. Die Emotionalität, mit der Szenen gefüllt wurden, die Gestik und Mimik, die Betonung und Sprache – all das ließ die Zuschauer staunend und respektvoll auf diese jungen Menschen blicken. Und sie sind – alle auf ihre eigene Weise – in den letzten Monaten über sich hinausgewachsen.